Archiv für den Monat: Juni 2011

Elektromagnetische Felder beeinflussen das Lernen

Elektromagnetische Felder, wie sie etwa beim Handytelefonat entstehen, können in verstärkter Form Lernprozesse im Gehirn beeinträchtigen. Das berichten Forscher der Universität Bochum in der Zeitschrift „PLoS ONE“ auf Basis von Tierversuchen. Studienautorin Nora Prochnow beruhigt gegenüber dem Newsletter „Pressetext“: „Handys sind aufgrund ihrer geringen Feldstärke unbedenklich. Für Sicherheitsdienste oder Militärs, die teils integrierte Ganzkörperantennen tragen, sollten die Grenzwerte jedoch überprüft werden.“

Hochfrequente elektromagnetische Felder (HEF) werden von Mobil und Hörfunk sowie Fernsehen und Schnurlostelefonie genutzt. Im Körper des Anwenders können sie Wärme erzeugen – und zwar umso mehr, je stärker ihr Feld ist. UMTS-fähige Handys haben schwache
Feldstärken bis maximal 4,8 V/m, wobei sich die thermische Wirkung auf das Hirngewebe mit rund 0,1 Grad in Grenzen hält. Mögliche Folgen einer über 30-minütigen Anwendung auf Funktion und Struktur des Gehirns sind jedoch noch ebenso wenig eindeutig geklärt wie etwa die erhöhte Zellwand-Durchlässigkeit oder beeinträchtigte Lernprozesse.

Letztere gehen nicht nur auf erhöhten Stress bei Experimenten, sondern auch auf nicht-thermische HEF-Wirkungen zurück, konnten die Bochumer Forscher nun zeigen. Sie setzten dazu Ratten verschieden starken nichtthermischen HEFs im UMTS-Frequenzbereich aus und überprüften mittels Elektrophysiologie das neuronale Lernen sowie die synaptische Gedächtnisbildung. „Zwar liefert auch der versuchsbedingte Stress alleine schon Wirkung, der Vergleich mit Kontrolltieren zeigte jedoch, dass dies auch für starke elektromagnetische Felder signifikant gilt. Der Hippocampus ist bei Ratten für elektromagnetische Felder empfindlich – und könnte es auch beim Menschen sein“, so Prochnow.

Felder einer Stärke des SAR-Wertes von zehn Watt/kg beeinflussen das Lernen und die Gedächtnisbildung, während Felder der SAR-Stärke null und zwei Watt/kg keine messbaren
Beeinträchtigungen liefern, so das Ergebnis. Damit ist zumindest die Handy-Alltagsnutzung nicht betroffen. Die Feldstärke bei Smartphones liegt normalerweise im Milliwatt-Bereich und erreicht selbst bei Höchstleistung einer gleichzeitigen WLAN-, Bluetooth- und UMTS-Nutzung bloß Werte von maximal 1,5 Watt.

Quelle: pressetext.at

Abstract der Studie in englisch

WHO: Mobiltelefone „möglicherweise krebserregend“

Die Weltgesundheitsorganisation betrachtet Mobilfunk als „möglicherweise krebserregend“.
Die Industrie ist etwas anderer Meinung …

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), hat hochfrequente elektromagnetische Feldern, wie sie beim Mobilfunk zum Einsatz kommen, als „möglicherweise krebserregend für den Menschen (Gruppe 2B)“ eingestuft. Ein erhöhtes Risiko bestehe für Gliome (Hirntumore).

31 Wissenschaftler aus 14 Ländern haben im Mai eine Woche lang in einer Arbeitsgruppe die vorhandene wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema ausgewertet. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass die vorliegenden Untersuchungen einen „begrenzten Nachweis“ für Hirntumore (Gliome und Akustikusneurinome) bei Benutzern von Mobiltelefonen lieferten, jedoch „nicht ausreichend“ seien, um Schlussfolgerungen für andere Krebsarten zu ziehen.

Laut Dr. Jonathan Samet, der Leiter der Arbeitsgruppe, bedeutet das Ergebnis, dass ein gewisses Risiko bestehen könne und dass es daher nötig sei, den Zusammenhang zwischen Mobiltelefonen und
Krebsrisiko sorgfältig zu beobachten.

Reaktionen der Industrie

Die CTIA, der Branchenverband der Mobiltelefonhersteller, merkt dazu unter anderem an: „Die IARC führt zahlreiche Untersuchungen durch und hat in der Vergangenheit dieselbe Bewertung beispielsweise an eingelegtes Gemüse und an Kaffee vergeben. Diese IARC-Einstufung bedeutet nicht, dass Handys Krebs verursachen.“

Weiter weist die CTIA darauf hin, dass die Federal Communications Commission der USA zu der
Schlussfolgerung gekommen sei, dass es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür gäbe, dass die
Verwendung von Mobiltelefonen zu Krebs führen könne. Darüber hinaus habe die Food and Drug Administration der USA dargelegt, dass die große Mehrzahl der wissenschaftlichen Hinweise Mobiltelefone nicht mit Gesundheitsproblemen gleich welcher Art in Verbindung gebracht hätten.

Quellen:
• International Agency for Research on Cancer
• CTIA